Von selbst erledigt
Mit eindringlichem Spiel und gekonnter Inszenierung der bissigen Kapitalismus-Groteske »Top Dogs« von Urs Widmer begeisterte das Max-Tuch-Theater in der Tufa Trier. Trier. Den Zeitpunkt der Premiere von Urs Widmers 1997 in Zürich uraufgeführtem Stück »Top Dogs« hätte das Trierer Max-Tuch-Theater nicht passender wählen können. Ob Zufall oder nicht, die Bühne lieferte damit einen intelligenten Kommentar zum G8-Gipfel in Heiligendamm. Denn Thema des Dramas ist die groteske Logik der Ökonomie, diejenigen überflüssig zu machen, die sich in ihren Dienst stellen. Das Besondere daran ist die Perspektive, denn die Protagonisten des Stücks sind Manager, »Top Dogs«. Sie, die im Zuge global bedingter Umstrukturierungen entlassen wurden, treffen sich in einem Seminar zur Vorbereitung auf beruflichen Wiedereinstieg. Dort entlarven sie sich in Erfahrungsberichten und Rollenspielen als Gefangene ihres Systems: »Business, das ist Krieg, Blut und Tränen. So ist das.« Spitzfindige Überzeichnung Das Stück besticht durch satirischen Witz, spitzfindige Überzeichnung und eine scherenschnittartige Szenen-Struktur. Dazu arbeitet es mit dramaturgischen Finessen, zum Beispiel, dass wechselnde Personen die Rolle des Psychologen übernehmen. Unter den vom Autor festgelegten Vorgaben ragt als dramatischer Höhepunkt die Szene heraus, in der die »Top Dogs«, nachdem sie Träume einer humanen Welt gesponnen haben, an die sie selbst nicht glauben, zum Text der Apokalypse gebetsartig Börsenkurse beschwören. So überzeugend das Stück in seiner Anlage auch ist, erst durch den wirklich gekonnten Umgang damit wird es zum Knüller. Das Spiel der Schauspieler Julia Barlogh, Immanuel Bartz, Simone Busch, Claudia Mittag, Frank Jaeger, Martin Schraufstetter, Angela Seebach und Frauke Stöter ist von so eindringlicher Präsenz, dass es im Gedächtnis haften bleibt. Da werden mimisch alle Register gezogen, sprachlich alle Ausdrucksformen vom Brüllen bis zum Flüstern eingesetzt. Man empfindet Schadenfreude und leidet mit. Dicht und pointiert sorgt die Regie von Birgit Hoffmann für ausgewogene Balance zwischen Spannung und Unterhaltung. Eine reduzierte Ausstattung mit Business-Kleidung und einer Leiter als Symbol für Auf- und Abstieg spricht eine klare Sprache. Der besondere Clou ist, dass die Bühne mitten im Raum liegt, so dass die Zuschauer als »Seminarteilnehmer« mit einbezogen werden. Verschiedene Perspektiven und Blickwinkel werden durch räumliche Wechsel der Personen, aber auch eine raffinierte Lichtregie (Bernhard Hoffmann) in Szene gesetzt. Sie fokussiert Wesentliches, zeigt Realität grell und unbarmherzig, Träume dagegen rosa. Unterstützend wirkt die ebenso geschickt eingesetzte Musik (Daniel Schmitz). Weitere Aufführungen: Freitag, 15., Mittwoch, 20., Freitag, 22., Samstag, 23., und Mittwoch, 27. Juni, sowie Samstag, 7. Juli, jeweils um 20 Uhr im kleinen Saal der Tuchfabrik. Text: Anke Emmerling |
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